Tierische Sprichwörter

Du Esel, geh doch über die Brücke!

Früher wurden Brücken über kleine Bäche gebaut, die man auch eigentlich gut zu Fuß übequeren konnte. Aber was hat das mit dem Esel zu tun? Selbst bei einem minikleinen Bach kann es passieren, dass ein Esel streikt. Wasser? Ich? Darüberlaufen? Keine Chance! Die spiegelnde Wasseroberfläche macht ihm Angst, denn er kann nicht einschätzen, wie tief das Wasser ist. Wie bekommt man also den Esel über den Bach? Logisch: Man baut eine Eselsbrücke – die der Esel aber auch nur dann betritt, wenn sie ihm sicher erscheint. Die sprichwörtliche Eselsbrücke ermöglicht also den Weg über ein Hindernis und gibt Sicherheit. Z.B. lässt sich die Reihenfolge der Gitarrenseiten E, A, D, G, H, E mit einer Eselsbrücke leichter eklären: Eine Alte Dame Ging Heringe Essen.

Und eins, zwo, drei, vier...

Jahrmärkte und Zirkusse waren früher DIE Attraktion – Phantasialand, Legoland und Disney-World gab es da noch nicht. Damals brachte man den Bären Kunststückchen bei und ließ sie z.B. zur Musik tanzen. Ein Jahrmarkt auf dem ein Tanzbär war, da war „der Bär los“. Steppschuhe wird man ihm aber wohl kaum angezogen haben...

Backe, backe Kuchen

Ein Ausdruck, der heute nur noch ziemlich selten benutzt wird (am ehesten von Oma und Opa). Gemeint ist damit ein junges Mädchen, doch die Redewendung lässt sich weder auf einen Teenie noch auf einen gebackenen Fisch zurückführen. Er stammt ursprünglich aus dem Englischen. Wenn ein Fisch zu klein war, um in den Kochtopf wandern zu können, wurde er zurück (auf Englisch „back“) ins Meer geworfen. Also im Grunde der „Zurückfisch“.

„Wer lässt denn hier die Ohren hängen?“

„Halt die Ohren steif!“ oder „Lass die Ohren nicht hängen.“ sagt man gerne, wenn man jemanden Mut zusprechen möchte.
„Lass dich nicht unterkriegen“ oder „Verlier den Mut nicht.“ haben also dieselbe Bedeutung. Die Redewendung geht auf unsere lieben Vierbeiner, die Hunde, zurück (sie trifft aber auch auf andere Tiere wie Pferde, Esel und Kaninchen zu). Wenn Hunde traurig sind oder müde, fallen die Ohren schlaff nach unten. Sind sie dagegen aufmerksam und munter spitzen sie ihre Lauscher.

Hoppla! War das meins?

Der Kuckuck hat es faustdick hinter den Ohren. Er hat keine Lust, seine Eier selbst auszubrüten. Deshalb schiebt er sie einfach einem anderen Vogel unter. Interessant ist allerdings, dass dieser Vogel den „falschen Fuffziger“ nicht erkennt und arglos ausbrütet. Nach dem Schlüpfen wird das Kuckucksjunge sogar gefüttert und gehegt. Die Redewendung, „jemandem ein Kuckucksei ins Nest zu legen“ ist also keineswegs weit hergeholt, sondern basiert auf wahren Tatsachen.

Hurra! Schon wieder ein Korn!

Und noch eins. Und noch eins! Hühner picken den lieben langen Tag lang. Dabei verlassen sie sich auf ihre Augen, denn ihr Näschen ist nicht wirklich so fein. Ein blindes Huhn hätte also ein ziemliches Problem. Es müsst auf Verdacht irgendwo hin picken. Nur mit viel, viel Glück erwischt es dabei ein Korn. Mit dem Sprichwort setzen wir uns einem blinden Huhn gleich und wollen damit sagen: Wer für eine Aufgabe nicht die erforderlichen Fähigkeiten mitbringt, kann trotzdem Erfolg haben. Die einen wollen damit Mut machen, die anderen machen sich mit diesem Spruch eher lustig ... 

Die Redewendung geht auf einen berüchtigten Kater zurück ...

... der durch sein ständiges Miauen fürchterliche Kopfschmerzen bei seinem Besitzer ausgelöst hat (wenn dieser einen über den Durst getrunken hat). Diese Erklärung klingt eigentlich gar nicht mal so schlecht, ist aber totaler Quatsch. Mit einem echten Kater hat diese Redewendung absolut nichts zu tun. Der sächsische Dialekt hat sie uns beschert. Nach einer feuchtfröhlichen Nacht mit viel Alkohol hat man ähnliche Beschwerden wie bei einer Schleimhautentzündung. Die nennt man „Katarrh“. Und im Sächsischen klingt das wie „Kater“.

Hey, den KENN ich doch!

Ein Mensch, der bei einem Bäcker vor 30 Jahren ein leckeres Croissant von einer netten Verkäuferin erstanden hat, wird sich wohl kaum an sie erinnern. Ein Elefant jedoch weiß auch noch 30 Jahren später, ob er von jemandem gut oder schlecht behandelt wurde. Er erinnert sich dabei aber weniger an den Menschen selbst, als viel mehr an den Geruch des Menschen. Sein ausgezeichnetes Gedächtnis hat er aber nicht wegen den Menschen entwickelt. Die „Dickhäuter“ legen Wanderungen über mehrere tausend Kilometer zurück. Um zu überleben, müssen sie genau wissen, wo sich auf ihrer Wanderroute Wasser- und Futterplätze befinden.